Seite 2 / Prolog: Unterwasser Rugby

„Der richtige Einstieg ins Wasser ist ein halber Salto vorwärts“, hörte Léon ihn sagen und dachte besorgt: Das ist leichter gesagt als getan. Mit riesigen Flossen an den Füßen, einer 15 kg schweren Stahlflasche auf dem Rücken, durch einen Plastiknuckel atmend, blind durch die beschlagene Taucherbrille, der Körper zur Gummiwurst gepresst, da sind die Schritte zum Wasser so schwerfällig, wie er es nie vermutet hätte.

Als Flocke schließlich den Druckausgleich erklärte, hielt Knut die Hitze im Neoprenanzug nicht mehr aus und hoffte im Wasser Kühlung zu finden. Léon stand bei diesem spontanen Manöver so unglücklich auf seinen Flossen, dass er dabei sein Gleichgewicht verlor. Dumpf schlug er mit seiner Flasche auf den Beckenrand auf. Die Gruppe zuckte zusammen und versuchte, sich vor der zu erwartenden Explosion in Deckung zu bringen. Der laute Knall blieb jedoch aus. Statt dessen hörte man nur ein klatschendes Geräusch auf dem Wasser. Für einen Moment sah Léon nur noch das Sprudeln der Luftblasen und wusste nicht, wo oben und unten ist. Orientierungslos, durch die vollgelaufene Tauchermaske, riss er sich die vom Gesicht, was sein blankes Entsetzen entblößte.

Nur langsam kamen die restlichen Kursteilnehmer wieder aus ihrer Deckung, die ruhigen, besonnenen Worte des Übungsleiters entspannten die Situation. Flocke ließ die Gruppe ins Wasser steigen und forderte sie auf, einen Kreis auf dem Grund zu bilden. Nur Knut schwamm wie ein großer, dicker Korken an der Wasseroberfläche, und es gelang ihm nicht abzutauchen. Immer wieder wurde er an die Wasseroberfläche getrieben. Und immer wieder versuchte er, mit dem Kopf vornüber

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